gerade in: Indieno3. o3. 2o1o - Teil II von II
ein Paket nach Deutschland und das Taj in Gross

Mittlerweile hat sich so einiges in unseren Rucksäcken angesammelt, was wir hier nicht benötigen. Es ist also an der Zeit, mal wieder ein Paket in die Heimat zu schicken. So einfach wie in Hong Kong oder Bangkok ist das hier allerdings nicht. Wir hatten schon vermutet, dass in einem Land, in dem man für eine Übernachtung im Hotel drei verschiedene Formulare ausfüllen muss, ein Paket nur mit großem Aufwand auf den Weg gebracht werden kann. Was wir allerdings heute Nachmittag erleben, übertraf alle Erwartungen.

Die erste Post, die wir nach langer Suche finden - das Postschild über dem Eingang war wirklich gut versteckt - ist für Pakete nicht zuständig. Wir fragen einen Rikschafahrer, der uns für den Rest des Tages mit seinem Schwager zur Seite stehen wird.


Zunächst muss ein passender Karton gefunden werden. Im Souvenirladen steht eine ganze Armee Angestellter bereit, die die verschiedenen Aufgaben bis zum versandtfertigen Paket übernehmen können.


Wer sich an die Bilder der abgefahrenen Autoreifen in unserem Tagebuch erinnern kann, der kann sich vorstellen, wie der Karton aussieht. Er ist sicherlich schon mehrmals mit dem verschiedensten Inhalt um die Welt gereist.
Als nächstes wird eine detaillierte Liste des Inhaltes geschrieben. Man wundert sich über den Inhalt - Kardamom ist hier im Laden wohl unbekannt und auch Zimtstangen wurden so noch nicht gesehen. Das Anfertigen der Liste dauert ganz schön lange.




Als nächstes wird alles in den Karton gepackt, wieder herausgeholt und noch einmal anders hineinsortiert. Klebeband, Schnur und noch etwas Klebeband. Na hoffentlich hält das!




Zum Schluss kommt der Paketeinnäher zum Einsatz. Zwei Meter Leinen verhüllen den Karton und mit der großen Nadel wird alles zusammengenäht.

Wir schreiben noch unsere Adresse auf den Stoff - wie wir das einschätzen kommen wir wohl vor dem Paket in Deutschland an. Der Listenschreiber gibt uns noch gute Tipps und Verhaltensregeln für das richtige Verhalten im Postamt mit auf den Weg.

Im Hauptpostamt findet sich das Hinterzimmer für die Paketabfertigung. Überall liegen eingenähte Paket in verschiedenen Größen herum. Sie sind alle mit Wachs versiegelt und warten wohl auf den Abtransport.
Wir werden vom Oberaufseher empfangen und man verkündet uns gleich, dass der Zollbeamte ganz sicher in unser schön eingenähtes Paket hineinsehen möchte und wir könnten es gleich schon einmal auspacken! Das darf wohl nicht wahr sein. So viel Zeit und Mühe für's Einpacken soll umsonst gewesen sein?
Für diesen Fall haben wir Tipp Nummer eins parat: die Liste schön langsam vorlesen und darauf hinweisen, wie detailliert sie ist. Außerdem ist der ganze Inhalt hier aus der Umgebung, lauter kleine Souvenirs aus Agra. Doch zunächst einmal muss der Zollbeamte herbeigeholt werden.
Der ist erst wenig begeistert von unserer Liste - sicher ist er nur neugierig und will sehen, was wir alles eingekauft haben.
Wir wollen die toll verpackte Kiste aber nicht wieder auspacken. Erstens wäre der Karton dann sicher ganz hinüber gewesen und zweitens müsste alles wieder eingenäht werden, beschriftet, ...
Da muss Tipp zwei für Indienreisende und Paketverschicker angewendet werden. Der 100 Rupientrick! Und tatsächlich: unter der Liste lassen wir einen 100 Rupienschein hervorblicken. Wir wussten nicht, dass solche Scheine magnetisch sind, aber die Augen des Beamten ließen den Schein nicht wieder los.
Wie kann aber die Übergabe stattfinden? Es stehen eine Unmenge weiterer Angestellter in der Nähe?! Wir sollen zunächst einmal ein Formular ausfüllen. Geschickt wird ein großes Buch auf den Schreibtisch platziert, sicher sollen wir da das Geld hineinlegen. Wir tun es nicht und das Gesicht des Beamten ist reichlich enttäuscht, als er durch die Seiten blättert. Da muss er wohl deutlicher werden! Tatsächlich fixiert er wieder den Geldschein und meint:" Ich tue euch einen Gefallen und ihr mir!" Na das war direkt und so wechseln 1,70€ den Besitzer und wir dürfen mit dem abgestempelten Formular und dem Paket zum Versiegeler gehen. Der möchte unauffällig 50 Rupien zugesteckt bekommen und macht sich dann an die Arbeit.
Das nächste Problem ist die Berechnung des Portos. Wir haben ja Zeit und so können wir die normalerweise billigste Variante wählen: surface. Dabei wird das Paket auf dem Land oder dem Seeweg transportiert. Das scheint den Beamten nicht zu passen - "it's not allowed in India!" Jetzt wird es uns aber langsam zu bunt! Wir wollen zum Postofficeofficer des Tages und genaueres wissen. Man begleitet uns zu seinem Büro, doch den Weg hätten wir uns auch gleich sparen können.
Der Zollbeamte wird langsam nervös, die Post schließt wohl bald und ehe wir nicht wieder weg sind, darf er wohl nicht nach Hause gehen. Es sieht so aus, als würde er am liebsten seine Unterschrift wieder rückgängig machen, aber wo wir schon so weit sind, wollen wir ja auch erfolgreich die Post ohne unser Paket verlassen.
Wir entscheiden uns zwangsläufig für die Variante "SAL" - eine Mischung aus Luft- und Bodentransport. Das Porto hält sich im Rahmen und 12 Kilo machen sich demnächst auf den Weg nach Deutschland. Hoffentlich!





Das war spannend, aufregend, nervig und lehrreich. Selbst unser Rikschafahrer war teils verzweifelt, kopfschüttelnd und hilflos den Beamten ausgeliefert. So entspannen wir uns zum Sonnenuntergang mit Blick zum Taj. Dazu muss man eine lange Rikschafahrt über Schlaglochpisten und eine uralte, enge Brücke ans andere Ufer des Jamuna in Kauf nehmen. Der Weg lohnt sich aber.























zurück blättern zum Seitenanfang vor blättern